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Samstag, 1. April 2017

Reizwortgeschichten

Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Blogfreunde,

die heutige Geschichte ist vor kurzem hier in Norwegen passiert. In meiner Nacherzählung sind Personen und Namen frei erfunden. Viel Spaß beim Lesen.

Die heutigen Reizwörter sind


Waschbecken - Finanzamt - rutschen - pflegen- verschmiert



Schaut, was meinen lieben Kolleginnen dazu eingefallen ist.


Reginas  Geschichte..



Heiße kurze Liebe

Luchsdame Tatzenbauschi gähnte herzhaft, dehnte ihre Vorderbeine und setzte sich geschmeidig in Bewegung. Sie sah, wie der Tierpfleger das abendliche Futter brachte.  Luchsmännchen Büschlestümmle stürzte sich sofort auf die herrlichen Kücken. Gelangweilt schnupperte die Luchsin an ihrem Lieblingsfutter herum.
"Schmeckts?", fragte sie spitz.
"Hmm.", nickte er schmatzend.
"Hast du keinen Hunger?"
Die Luchsdame roch nochmal an dem Futter. Sie rümpfte ihre  Nase und schüttelte mit dem Kopf.
Besorgt schaute er sie an.
"Bist du krank?"
Die Luchsin schwieg.
"Nein sie war nicht krank", dachte sie wütend, "bemerkte er nicht, was ihr fehlte?"
Es war Paarungszeit. Sie hatte ihm mehrfach gezeigt, was mit ihr los war. Aber er ignorierte sie.
Gerade feierten sie seinen elften Geburtstag.
"Was war mit ihm los? War er nicht mehr zeugungsfähig?"
Sie war erst acht,  er kam wohl in die Jahre. Mit Nachwuchs hier im Gehege des Tierparks war  bei den Luchsen dieses Jahr nicht mehr zu rechnen.
Traurig schlich sie zur Anhöhe und setzte sich auf ihre Hinterläufe, um von dem schönen Frühlingstag die letzten warmen Sonnenstrahlen  zu genießen. Sie blinzelte in die Sonne. Hörte sie  aus dem Gebüsch dort drüben nicht ein Geräusch? Sie lauschte und spitzte ihre Ohren. War dort nicht ein Maunzen von einem Luchs?
Erst sah sie kurz etwas Geflecktes und dann erblickte sie ihn. Ein wunderschönes, junges Luchsmännchen. Der junge Luchs sprang aus dem Gebüsch zum Zaun. Sie schlich langsam maunzend zu ihm. Er beschnupperte die Luchsfrau.
"Hallo, wer bist du?", fragte die Luchsin neugierig.
"Pünktchenflitz", stellte sich der junge Luchs vor.
"Ich bin Tatzenbauschi", flötete  sie und blinzelte ihn mit ihren schönen Augen an.
Beim Anblick dieses jungen, athletischen Luchsmann wurde ihr heiß und kalt.
"Das wärs doch", dachte sie erregt.
Wie kam dieser tolle Kerl über den vier Meter hohen Zaun des Geheges?
Durch einen lauten Schrei erwachte der alte Luchs Büschlestümmle.
"War das nicht Tatzenbauschi, die so schrie?"
Rasch erhob er sich und sprang in die Richtung, woher der Schrei kam. Hell schien der Vollmond und leuchtete das Gehege deutlich aus. Es schneite leicht und ließ das Gelände noch heller erscheinen. Jeder Baum und Strauch war zu sehen.
"War da nicht ein fremder Luchs in seinem Revier?", Büschlestümmle dachte, er träumte.
"Wie kam der in das Gehege über den hohen Zaun?", er war platt.
Mit lautem Geschrei stürzte sich der alte Luchsmann mit einem Satz auf den ungebetenen Eindringling.
 "Hier war er der Boss!"
Nils Jensen, der Tierparkdirektor,  kümmerte sich heute früh um das Futter der Tiere. Danach wusch er sich gründlich seine Hände am Waschbecken der Futterküche. Polternd packte er  Eimer und Kisten mit Tierfutter auf den Anhänger. Er war sauer. Alles musste er alleine machen.  Die ganze Nacht und bis in die frühen Morgenstunden schneite es.  Die Landstraße war spiegelglatt. Johann, der Pfleger, verspätete sich. Ausgerechnet heute, wo der Prüfer vom Finanzamt da war. Der auch wegen der rutschigen Straßen fluchte. Dabei war Frühlingsanfang.
Brummig verärgert fuhr der Tierparkdirektor zum Luchsgehege.
Nils Jensen rieb sich die Augen, "Was war das? Sah er richtig? Drei Luchse waren im Gehege."
Er holte aus dem Handschuhfach sein Fernglas.
Ein junger Luchs, schätzungsweise drei Jahre alt.
"Der verliebte Jüngling machte wohl über den hohen Zaun einen riesigen Satz", grinste Nils Jensen.
Johann berichtete, er verfolge  außerhalb des Luchsgeheges seit Tagen im Schnee Spuren eines Luchs. Bisher konnte er ihn nicht ausmachen.
"Schöner Bursche. Sicher hat es Tatzenbauschi gefreut, wo Büschlestümmle lustlos war", dachte er und lachte, "ob das im Luchsgehege Nachwuchs bedeutete?"
Für Beide wird es ein kurzes Intermezzo sein. Das Luchsgehege war zu klein. Morgen muss der junge Eindringling weg.
Wo war Büschlestümmle? Er suchte mit dem Fernglas im Gehege den alten Luchs.
"Oh, seine Nase war verschrammt und Blut verschmiert. Heute Nacht hatte es ordentlich gekracht."
"Wenn Johann kommt, trennen wir die Männchen", schoss es dem Tierdirektor in den Kopf, "sonst gibt es Mord und Totschlag."
Tatzenbauschi träumte von dem jungen Luchs. Tief und fest war ihr Schlaf. Langsam erwachte sie. Benommen schaute sich die Luchsfrau um. Wo war Pünktchenflitz?
Sie erinnerte sich.
Die beiden männlichen Luchse hatten sich fürchterlich gefetzt. Der Zoodirektor und Johann hatten Büschlestümmle in das kleine, separate Außengehege weg gesperrt. Sie befürchteten das Schlimmste. Am anderen Morgen traf der von Tatzenbauschi verhasste Tierarzt ein. Gleich nahm sie reißaus und versteckte sich im hinteren Teil des Geheges. Von dort beobachtete die Luchsin gespannt, was der Tierarzt trieb.
Mit dem Gewehr verpassten sie Pünktchenflitz einen Betäubungspfeil. Schnell war das Tier bewegungslos. Sie legten den schlafenden Luchs auf eine Bahre, trugen ihn in den bereit stehenden Transporter und fuhren weg.
Das war es mit dem jungen, wilden Pünktchenflitz. Schade! So schnell haben sie ihn weg gebracht.
Obwohl, langsam wurde er anstrengend. Der junge Kerl gab keine Ruhe. Außerdem war sie sicher, Mutter zu werden.
Johann kam und brachte das Frühstück. Er fummelte an dem Gatter des kleinen Seitengeheges und ließ Büschlestümmle in den  großen Bereich des Geheges zu Tatzenbauschi. Der alte Luchs beschnüffelte die Luchsdame. Beide Tiere begrüßten sich und rieben zärtlich ihre Nasen aneinander.
"Hab großen Hunger! Komm Büschlestümmle, lass uns Kücken frühstücken, meine Lieblingsspeise.", bemerkte Tatzenbauschi.
Büschlestümmle grinste.
Erleichtert trottete er seiner Luchsfrau hinterher.
"Das war seine alte Tatzenbauschi."
Im Tierpark kehrte im Luchsgehege wieder Ruhe ein.

Copyright Eva V.  2017
Bild: Flickr, Optimum Fotografie


,Schaut vielleicht einmal bei meiner neuen "Norwegenseite" vorbei. Würde mich sehr freuen.




Kommentare:

  1. Und das ist echt passiert? Klasse, wie du dich in die Luchse eingefühlt hast - und ein gaaaaanz großes Kompliment für die Namen, die passender nicht hätten sein können und mich immer wieder begeistern!! LG und danke für die herrliche Geschichte! Martina

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    1. Liebe Martina, ja es ist passiert, hatte schon in meinem Snakk i Norge davon berichtet.Gerade bei Tieren kann ich weder spinnen und das schreibe ich auf. Liebe Grüße Eva

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  2. Hallo liebe Eva,
    ich war zuerst auf Deiner Norwegenseite und wusste daher gleich von wem in der Geschichte die Sprache ist. Haben sie tatsächlich den dritten Luchs weggebracht. Ich dachte, dass sie ihn vielleicht nur in ein anderes Gehege sperren.
    Deine Geschichte hat mir gefallen und ich vermute sogar, dass sich alles so oder ähnlich abgespielt haben mag.
    Sei herzlich gegrüßt und hab einen schönen Samstagabend und einen sonnigen Sonntag
    Astrid

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    1. Liebe Astrid, ja, der war nur kurz da.Wenn dann noch Nachwuchs kommt, wird es eng.Hab eine schöne Woche. Liebe Grüße Eva

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  3. Liebe Eva,
    tja, schade, dass es nur so eine kurze Liebe war! Außerdem stimmt es schon: So ein junger Hupfer kann für eine "ältere Dame" ganz schön anstrengend werden! Immerhin ist ja jetzt für Nachwuchs gesorgt, und es kehrt wieder Ruhe im Gehege ein ...
    Vielen Dank, dass Du uns an dieser netten Geschichte teilhaben lässt!
    Liebe Grüße
    Christine

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    1. Liebe Christine, bin ja gespannt, ob die Luchsdame hier im Tierpark Junge kriegt. In einem Monat weiß man mehr. Liebe Grüße Eva

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