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Donnerstag, 15. Juni 2017

Reizwortgeschichten

Liebe Leserinnen, liebe Leser, liebe Blogfreunde,

meine beiden Protagonisten,  ein Kuckuckspärchen, leben in einem Land wo es kein Baum, kein Strauch, nur Felder gibt. Die intensive Landwirtschaft hat alle Insekten ausgerottet. Sie finden keine Nahrung. Lest ihre Geschichte, was sie unternehmen.

Die heutigen Reizwörter sind


Krämerladen – Bierflaschen – suchen – lesen – staubig




Schaut, was meinen lieben Kolleginnen dazu eingefallen ist.


Reginas  Geschichte








Asyl für Vögel

Liebevoll fragte der Kuckucksmann Schrubbdidubb seine Frau, "Können wir los?"
"Müssen wir unbedingt weg?", fragte seufzend  Plüsterchen Zippizapp, die Kuckucksfrau, ihren Mann.
"Schau Dich um. Das Überleben wird immer schwerer. Siehst du hier die Dinge, die wir zum Leben brauchen?  Insekten, Raupen oder Würmchen suchen wir vergeblich."
"Nein", Plüsterchen Zippizapp nickte. "Du hast recht."
Sie schaute sich um. Kein Baum, kein Strauch. Nur Felder, Felder.  Intensive Landwirtschaft. Raubbau der Böden. Hier konnten keine Insekten, Kriechtiere und Vögel überleben. Früher gab es  einen Wald da drüben, der, nachdem ein Orkan in der Nacht über das Land heulte,  verschwand. Danach hatten die Bauern den zerstörten Wald zu einem Acker umgepflügt.  Die riesigen Traktoren mit den Ackergeräten und der Wind, der über das Land fegte, waren die einzigen Geräusche.
"Weil wir nicht ausreichend Nahrung finden, werden wir immer schwächer.  Deshalb kannst du keine Eier legen", meinte Schrubbdidubb resigniert. "Unsere Art wird hier aussterben."
"Ich habe Angst", erwiderte die Frau. "Wir schaffen es nicht in das schöne Land, wo wir so schwach sind."
Vor zwei Wochen überstanden sie erst den langen Flug aus Afrika. Da waren sie vor ihrer Reise gut genährt. In Afrika gab es ausreichend Nahrung.
"Wenn wir es nicht riskieren, meine Liebe, gehen wir zu Grunde."
"Denke an die vielen dicken Insekten, die grünen Raupen, und die weißen Würmchen, wie im Schlaraffenland. Essen im Überfluss, wenn wir jetzt losfliegen."
Die Kuckucksfrau nickte.
"Ich verstehe. Komm wir verschwinden."
Stundenlang flog das Kuckuckspärchen über ein großes Meer. Die ganze Zeit hatten sie glücklicherweise Rückenwind.  Es ließ sich leichter fliegen. Trotzdem war es anstrengend.
"Ist es noch weit?", fragte Plüsterchen Zippizapp keuchend.Total erschöpft war sie.
"Ich kann nicht mehr."
Ihre Flügel fühlten sich taub an. Wenn nicht bald Land in Sicht kam, ließ sie sich ins Meer fallen. Der Ertrinkungstod war ihr sicher.
"Schau da vorne fährt ein Katamaran. Die fahren in Richtung Küste. Darauf landen wir. Schaffst du es?"
"Ich hoffe."
Beide nahmen  das Heck des Bootes zur Ladung ins Visier. Bei der Landung wäre Plüsterchen Zippizapp beinahe  auf dem glatten, feuchten Untergrund abgerutscht und ins Meer gefallen. Ihr Mann gab ihr gerade noch einen Schubs in die andere Richtung. Sie fiel auf das Deck und  verletzte sie sich dabei ihren Flügel.
"Autsch,  tut das weh. Hunger und Durst habe ich auch", jammerte sie.
Der rechte Flügel hing schlaff herunter. Ganz zerrupft und mitgenommen sah sie aus.
Zärtlich drückte Schrubbdidubb seinen Kopf an seine Liebste.
"Halte durch. Bald geht es dir besser, Liebes!"
Trotz großer Schmerzen im Flügel schlief die Kuckucksfrau sofort ein.
Golden ging die Sonne im Westen unter. Die dunkle Nacht senkte sich übers Meer.
"Wach auf, Liebes, wir sind gleich da."
Im Norden waren Lichter zu sehen. Die Küste kam in Sicht.
Langsam gleitend legte der Katamaran im Bootshafen des kleinen Küstenorts an.
Hier lag das ersehnte Land. Eine wunderschöne liebliche Landschaft mit grünen Wiesen und gesunden Wäldern. In den Flüssen und Seen hüpften die Fische an die Wasseroberfläche nach Motten haschend.  Sanft betriebene  Landwirtschaft von Biobauern. Keine Umweltverschmutzung.  Ein Paradies für Vögel.
Der Kuckucksmann war aufgeregt. "Komm Liebste, wir haben es geschafft!"
Der Flügel tat entsetzlich weh. Fliegen war unmöglich. Langsam schleppte sich, gestützt von ihrem Mann, Plüsterchen Zippizapp an Land.
Schrubbdidubb schaute gebannt auf eine Laterne, die an der Ecke eines Geschäfts stand. Ein großes Schild "Krämerladen" war zu lesen. Dicke, fette Motten umkreisten das grelle Licht. Ihm lief das Wasser im Schnabel zusammen.
"Du versteckst dich unter die Treppe, mein Liebe und ich besorge leckeres Essen."
Er hüpfte über die staubigen, herumliegenden Bierflaschen und schwang sich hoch zur Lampe.
Mit seinem Schnabel schnappte er fette dicke Falter und stillte seinen großen Hunger. Während ihrer Reise gab es zwei Tage nichts zu futtern.
"Hmm, waren die köstlich."
Für seine Liebste fing er im Sekundentakt weitere Motten.
Plüsterchen Zippizapp ließ sich die Leckerbissen schmecken. Beide Vögel aßen sich rund und satt. Das war lange her. Aneinander gekuschelt schlief das Kuckuckspärchen zufrieden und selig ein.
"Aufwachen!"
Jemand rüttelte die schlafenden Vögel.
Erschrocken fuhr Plüsterchen Zippizapp hoch.
Neben ihr schnarchte Schrubbdidubb.
"Autsch, mein Flügel", schrie sie auf.
 Davon erwachte der Kuckucksmann.
Vor ihnen standen in Uniform zwei Polizeikrähen.
"Eure Papiere, ein bisschen dali", forderte die eine dicke Krähe bissig.
"Haben keine", stotterte der Kuckucksmann.
"Wohl illegale Flüchtlinge?  So wie ihr ausseht! Ihr seid verhaftet."
"Hier darf keiner illegal leben", pöbelte die dünne Krähe und schwang ihren Gummiknüppel.
"Ist das klar?"
Ohne Widerstand ließ sich das Kuckuckspärchen festnehmen.
"Denke daran, wir sind Sperber und keine Kuckucke. Die sind als Asylsuchende anerkannt. Uns wollen sie nicht, weil unsere Brut  die Eier oder Küken aus ihren Nestern werfen. Verstehst du?", flüsterte der Kuckucksmann seiner Frau ins Ohr.




Vor sechs Wochen stellte das Kuckuckspaar einen Asylantrag. Seitdem lebten sie im Asylheim für Vögel.
 Schmatzend fragte Schrubbdidubb seine Liebste und pickte dabei in den Würmchen herum. "Schmeckt es?"
"Ich platze!", Plüsterchen Zippizapp klopfte ihr Federbäuchlein, das in den sechs Wochen ihres Aufenthalts kugelrund geworden war.
Sie seufzte. Heute war  im Vogeltierrat ihre Anhörung. Ob sie bleiben durften.
In dem alten, verlassenen Steinbruch versammelten sich tausende Vögel. Ein Vogelschwarm kam von der Küste, wie ein langer gekritzelter, entrollter Schriftzug  - Möwen, Reiher, Kormorane,  zu einem wichtigen Termin unterwegs. Den Schicksalstag für asylsuchende Vögel. Inzwischen fand jeden Monat diese Versammlung statt. Besonders von Vögel wurde das neue Land als letzter Zufluchtsort auserwählt. Hier gab es Nahrung im Überfluss. Aber wie lange noch, wenn immer mehr kamen. Der Vogelrat warnte seit längerem, strikt die Zuwanderung zu reduzieren. Nur Vogelarten, die unterrepräsentiert waren, durften bleiben. Noch nie hatte das Kuckuckspärchen so viele Vögel gesehen.
Der Buntspecht klopfte  zum Zeichen, dass die Sitzung eröffnet war, auf den alten verfallenen,  hohlen Kieferstamm.
Auf einem Felsplateau saß ein großer, alter Steinadler.  Er war vom Rat der Vögel der Vorsitzende.  Die beiden aufgebauschten, dicken Uhumännchen begleiteten ihn als Beisitzer.
"Ruhe!", rief der alte Steinadler und spreizte seine Flügel mit riesiger Spannweite. Beide Uhus rechts und links mussten sich ducken, damit er sie nicht wegfegte.
"Der Rat ist eröffnet", rief der Uhu von rechts.
Von dem großen Lärm durch das Geschrei und Gezwitscher der vielen Vögel war das Kuckuckspärchen stark beeindruckt. Plüsterchen Zippizapp hatte kein gutes Gefühl und zitterte am ganzen Körper. Ob die Taktik ihres Mannes gut war, sich als Sperber auszugeben?
Zwei Polizeiraben führten das Kuckuckspärchen in die Mitte des Steinbruchs vor den Vogelrat.
"Sahen die nicht wie Kuckucke aus?", dachte der Steinadler.
Mit einem scharfen Blick schaute er die beiden an und räusperte sich. Der eine Uhu drehte seinen  Kopf aufgeregt nach allen Seiten
"Seid ihr Sperber oder Kuckucke? Woher kommt ihr?", fragte der Steinadler.
"Wir sind Sperber, Herr Vorsitzender, keine Kuckucke", antwortete der Kuckucksmann.
Wahrheitsgemäß erzählte Schrubbdidubb woher sie kamen. Berichtete über die schlimmen Verhältnisse, über Hungersnot und Verfolgung durch die wild gewordenen, hungrigen riesigen Mördervögel. Er schilderte von den blutigen Attacken, denen sie ausgesetzt waren. Durch die Reihen der Vogelschar zog ein Raunen und einige kreischen laut auf, so wahrhaftig  berichtete der Kuckucksmann von den gruseligen Verbrechen.
Ganz kalt lief es Plüsterchen Zippizapp den den Rücken herunter. Woher sie kamen, stimmte. Der blutrünstige Rest war erfunden. Dieses Schlitzohr!
"Danke, danke, wir haben genug gehört, lieber Sperber", unterbrach der Adler und erhob seine riesigen Flügel.
Flüsternd besprach sich der Adler mit seinen beiden Beisitzern. Die nickten mit ihren Köpfen.
"Übereinstimmender Beschluss: Ihr dürft bleiben!"

Copyright: Eva V. 2017

Fotos Flickr Dieter Braun,
Mario Viertel Pro

Dienstag, 6. Juni 2017

Ge (er)lesernes aus Norwegen


Krøderbanen – Die Museumsbahn in Norwegen





Die Krøderbanen ist die längste Museumsbahn Norwegens. Eröffnet im Jahre 1872 und geschlossen 1985, verkehrte sie als Normalspurbahn auf einer Länge von 26 Kilometer zwischen Krøderen und Vlkersund in der Provinz Buskerud...
Weiter hier auf meinem Norwegenblog:

http://www.lebensartnorwegen.com/2017/06/06/kroderbanen-die-museumsbahn-in-norwegen/